lady rose’s geduld oder: die waffen einer frau…

lady rose’s geduld neigte sich dem ende zu. nicht nur, dass earl p. aperknive ihr immer zuvor kam, nein, auch mr. slicer pfuschte ihr immer wieder ins handwerk. so konnte das nicht weitergehen. war sie doch diejenige, die von geburts wegen die älteren rechte hatte! doch wie sollte sie sich durchsetzen? sie wusste, sie durfte sich nicht länger vornehm zurückhalten, nicht länger ein schattendasein führen.

so tat sie das, was sie in den vergangenen monaten so oft getan hatte: träumen. doch diesmal nicht nur in den tag hinein. nein, lady rose wurde ihrem namen gerecht: ihre dornen sollten sie zu spüren bekommen; ihre ranken gleichsam verlockend und vernichtend. nie wieder würden sie es wagen, sie zu umgarnen.

wer ihr einmal beim zerteilen des büttens zugesehen hatte, war ihrer scharfen zunge ohnein erlegen. ihr beim geschmeidigen zerteilen ihrer beute zuzusehen – wem möchte da nicht das herz aufgehen und der geist freudig erzittern?

mit schneidenden worten verwies sie den earl und mr. slicer in ihre schranken. sollten sie sich doch mit den schnöden resten und den massensendungen zufrieden geben.

die wirklich wichtige korrespondenz hatte sie sich sichergestellt.

(es sind nicht die waffen einer freu, wenn die frau selbst die waffe ist…)

dieser blogbeitrag ist der wundervollen https://twitter.com/wandklex?s=20 gewidmet. den ebenso wundervollen brieföffner (und viele andere schönen sachen) findet ihr hier: https://www.etsy.com/de/shop/wandklex?ref=usf_2020

Veröffentlicht unter aus gruenden | Kommentar hinterlassen

wagemut? wage mut!

was tut man nicht so alles, wenn die motivation fehlt. jene motivation, die der neue gruppenleiter in form von „PS auf die straße bringen“ erwartet.
eben jener gruppenleiter, der wissen sollte, dass ich mir geistig gerne alle sechs beine ausreiße, der aber nicht zu verstehen scheint, dass chronisch krank sein auch bedeutet, dass feierabend feierabend ist und man fatigue nicht einfach so beiseite wischen kann.
eben jener gruppenleiter, der alles erdenklich delegiert, um es im nächsten moment wieder an sich zu ziehen. der nach außen hin lange leine lässt, um dann doch „bei fuß“ zu führen.
eben jener gruppenleiter, bei dem ich anfing, „es darauf ankommen zu lassen“. weil es ohnehin nicht mehr darauf ankommt.

was tut man nicht so alles:
kandidatenprofil pflegen.
unterlagen hochladen.
stellenausschreibungen lesen.
und nochmal lesen.
und ohne dann weiter darüber nachzudenken: ein bewerbungsschreiben absenden.
eines, in dem ich nichts schönrede.

trotzdem (oder deswegen?) eine einladung zum vorstellungsgespräch.
muss ja, weil wegen SBV, denke ich. das stimmt in der theorie auch.

das gespräch? ich hab ja nichts zu verlieren, denke ich.
bin, wie ich bin:
ehrlich (weil alles andere eh rauskommt).
direkt (weil ich ohnehin nicht aus meiner haut kann).
locker, als ginge es um nichts.
erzähle was ich kann – und nicht mehr kann.
schildere was mich antreibt – und was mich die lust verlieren lässt.
beschreibe wie ich bin – und in welchem umfeld ich gedeihe.
entscheidende nebensätze fallen, als wir uns schon verabschieden.

zurück im büro frage ich mich, wie lange es wohl dauern wird, bis eine entscheidung fällt.
frage mich auch, ob ich nicht doch auch extern wieder die fühler ausstrecken sollte. trotz chronischer erkankung.

vier stunden später ruft ein „unbekannter teilnehmer“ an, den ich beim ersten mal wegdrücke.
beim zweiten mal gehe ich genervt ran und….

….habe die stelle. („ich glaube, sie wissen gar nicht, was für assets sie mitbringen. ich will sie in meiner abteilung haben!“)

….habe weiche knie und freudentränen in den augen.

…habe seither immer wieder – in worten und taten – die bestätigung erhalten, dass es die richtige entscheidung war. und empfinde dasselbe. ich hatte schon lange nicht mehr so viel freude an meiner arbeit, dass man es mir ansieht.

Veröffentlicht unter allgemeinphilosophisches, aus gruenden, basics, private | Kommentar hinterlassen

roadmap. oder: wie es ist, unter die räder zu kommen.

lange schon gab es den plan.
lange ignoriert.
lange kleingeredet.

wer glaubt, eine „roadmap“ zu haben
hieße auch, einen „plan“ zu haben:
ha. ha. ha.

über nacht vom springer zum bauern geworden.
ins spiel gebracht.
über nacht
der selbstständigkeit beraubt.
der motivation verlustig gegangen.
vor den kopf gestoßen.

lange schon gab es den plan.
der plan ist aufgegangen. *mein* plan ist aufgegangen.
wohl dem, der karten lesen kann.

(aus den archiven…)
Veröffentlicht unter allgemeinphilosophisches, aus gruenden, basics, private | Kommentar hinterlassen

…how it feels to be me…

…nachdem ich gelegentlich gefragt werde, wie es mir geht oder wie es sich anfühlt, wenn nach einem schub symptome sich nicht wieder zurückbilden…
nimm ein nicht weichgespültes frotteetuch.
reibe es für ein bis zwei minuten fest an einer beliebigen körperstelle.
das gefühl direkt danach, dieses „taube kribbeln“.
das. am ganzen körper, inklusive gesicht. 24 stunden am tag.

nimm eine leicht stumpfe nadel.
pieke dich damit an den fingerkuppen, fortwährend.
das. an händen und füßen. 24 stunden am tag.

nimm die erinnerung an den letzten zahnarztbesuch.
das gefühl, während die betäubungsspritze wirkt und alles ein wenig „off“ ist.
das. auf der rechten seite. 24 stunden am tag.

mein erschöpfungszustand und schlafdefizit dürfte dem von mehrfach-eltern entsprechen.
mein arbeitseinsatz vollzeit.
mein verlangen nach einem nebenwirkungsarmen wirksamen schmerzmittel: unbeschreiblich.

die ms hat tausend gesichter. nach außen hin tragen fast alle das eines gesunden.

 

Veröffentlicht unter 1000faces, private | Kommentar hinterlassen

scheitern. fast nach plan.

vor ungefähr einem jahr frug mich mein kollege, ob ich mir nicht vorstellen könnte – wie er – künftigen bachelor-studenten finanzenglisch beizubringen. sprachlich sind wir beide gleichauf – er ist mit einer britin verheiratet und meine liebe zu land und leuten schlug sich auch irgendwann in wortschatz und aussprache positiv nieder. nach bedenkzeit und „ich komm mal mit und schau mir an, wie du das aufziehst“ sagte ich zu.
und habe damit schon den größten fehler gemacht: ich verließ mich in weiten teilen darauf, dass er sich mit einstiegs- und ausgangsniveau, lehrmaterial und dem ganzen drumherum hinreichend auseinandergesetzt hatte und es für brauchbar. weil er das sonst auch tut. weil er nicht erst seit gestern unterrichtet. und weil alles andere untypisch für ihn wäre.
seit september unterrichte ich nun. mit lehrmaterial, das mit level A2/B2 deutlich unter dem einstiegsniveau der meisten meiner durchaus motivierten und engagierten studenten liegt. das unterfordert und frustriert. und das nie und nimmer in die lage versetzt, in 2 jahren auf einem B1/C2-niveau inhalte verstehen und wiedergeben zu können. geschweige denn, eine prüfung erfolgreich abzulegen.
die für die materialauswahl verantwortliche hat sich mittlerweile aus der lehrtätigkeit zurückgezogen.
der für den studiengang verantwortliche sieht alles ganz locker („das wird schon“).
der kollege ist nur bedingt bereit, die studenten fachbezogen zu unterrichten.
und ich… …ich bin wütend.
auf mich selber, weil ich mich darauf eingelassen habe.
auf die verantwortlichen an der akademie, weil sie nicht willens sind, sich um geeignetes lehrmaterial zu kümmern (das es gibt(!), sogar im verbund. das aber angeblich nicht verwendet werden darf.).
auf die tatsache, dass man – um den studiengang ausgelastet zu bekommen – keinen bestandenen toefl-test zur zulassung voraussetzt und damit vermutlich 50% der studenten sehenden auges in ein offenes messer laufen lässt. weil nicht-bestehen im modul englisch gleichbedeutend ist mit nicht-bestehen des bachelor-studiums.
dass ich mit „meinen“ studenten weit über das kursmaterial hinausgehende unterlagen durcharbeite und vokabular und fachbezogenes wissen aufbaue – das alles ist am ende sinn- und zwecklos. weil alle dozenten mitziehen müssten. weil, was ich mache, reproduzierbar sein muss (stichwort: chancengleichheit). weil es dann nicht sein kann, dass eine kollegin unterrichtet, die selbst noch von ihrem arbeitgeber einen kurs auf B2-level bezahlt bekommt. weil ich mittlerweile bereits mehr als die hälfte der aufwandsentschädigung, die ich irgendwann bekommen werde, auf der suche nach zusätzlichem lehrmaterial ausgegeben habe.
meinen studenten gegenüber war ich vom ersten tag an offen und ehrlich. wir versuchen gemeinsam, die akademie-leitung zum handeln zu bewegen. (hier bitte don quijote, rosinante und windmühlen vorstellen.)
meine studenten wissen auch, dass ich nicht bereit bin, für ihr wahrscheinliches scheitern mitverantwortlich zu sein. sollte ein termin mit der akademieleitung, der partneruniversität und uns dozenten anfang dezember nicht entscheidende verbessserungen zur folge haben, werde ich die kooperationsvereinbarung kündigen. so sehr mir das unterrichten erstaunlicherweise spaß macht. so toll das feedback meiner studenten ist. so wenig mag ich mir den schuh anziehen müssen, dass ich mit ungeeignetem lehrmaterial schlecht auf prüfung und beruf vorbereitet habe.
es ist unverantwortlich, wie hier mit der zukunft junger menschen umgegangen wird. ich mache da nicht mit. kann es nicht.

 

Veröffentlicht unter aus gruenden, basics | Kommentar hinterlassen