vertrauen ist gut…

ich hatte ja schon einmal ein erlebnis ähnlicher art. ein auf kokosmilch basierender drink aus dem reformhaus, den ich ausprobieren wollte. weil man sich, auch wenn man nahrungstechnisch eingeschränkt ist, vielleicht mal etwas gutes tun möchte. zur kühlung und hebung des geschmacks in den kühlschrank in der mit ach so vielen anderen gemeinsam genutzten teeküche deponiert. zwei tage später war er weg. der drink. nicht der kühlschrank. einen tag später dann auch der post-it, den ich in meinem ersten zorn an der kühlschranktür angebracht hatte.
ich war – zunächst – geheilt davon, diesem kühlschrank etwas zur kühlenden aufbewahrung anzuvertrauen.
kürzlich jedoch kaufte ich mir eine flasche fruchtsirup, marke „vertrag-ich“. wie üblich nicht ganz im unteren preissegment angesiedelt (5 euro, um genau zu sein, was der sirup aber durchaus wert ist. mir jedenfalls.). verwahrt bis gestern im sideboard im büro. sobald angebrochen ist er jedoch, vor allem bei den derzeitigen außen- und innentemperaturen, kühl aufzubewahren. nunja, denke ich, die 0,5l-flasche ist angebrochen (es fehlten ca. 50ml), mein kürzel daraufgemalt, lege ich sie ins unterste fach besagten obigen kühlschranks. so geschehen gestern kurz vor 16 uhr.
heute, kurz nach 12 uhr, mich dürstet nach etwas anderem als nacktem wasser: kühlschrank auf, flasche weg.
man halte sich das vor augen: das sind alles „kollegen“, kein nicht-befugter hat zutritt zu den räumlichkeiten. ohne scham und ohne skrupel wird geklaut, entwendet, verzehrt, was anderen gehört. mein gefühlshaushalt hat einen überschuß an wut, enttäuschung und sonst-noch-etlichem.
kontrastprogramm hierzu:
in weniger als zwei wochen werde ich meinen sommerurlaub antreten. und meinen koffer am tag des übersetzens von der hauptinsel zum eigentlichen ziel bedenkenlos im offenen, unbewachten „left luggage“ container mehrere stunden lang zurücklassen in dem sicheren wissen, dass nichts wegkommt.
und ihr fragt euch, warum ich hier weg und dort hin will?
p.s.: ich würde den dieb zu gerne herausfinden. ich möchte glühende kohlen auf sein/ihr haupt sammeln. weil: vergebung bringt mehr als jedes negative gefühl. allen.
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#projekt50

#projekt50. diesen hashtag hatte ich vor einiger zeit ein paarmal auf twitter verwendet. ohne zu offenbaren, worum es eigentlich ging. weil ich ja selbst nicht wusste, ob es so kommen würde oder nicht. um ehrlich zu sein: ich hatte nicht damit gerechnet. und es auch nicht gewollt. mit all seinen implikationen und folgen nicht.
warum nicht? weil es mir schwarz auf weiß (nein: grün) vor augen halten würde, wie sich mein zustand entwickelt hat in den vergangenen zwei jahren. und ein wenig licht darauf wirft, wie die entwicklung womöglich sein könnte. und das, das wollte ich nicht wissen. will ich immer noch nicht.
ich fühl(t)e mich nicht „so“. und doch ist es nicht von der hand zu weisen.
kalkulieren zu müssen, was geht und was nicht, nimmt mir spontanität.
überlegen zu müssen, ob eine küstenwanderung (oder der ab- und wiederaufstieg in die so heißgeliebte, schwer zugängliche bucht) zu bewältigen ist, treibt mir die tränen in die augen.
einplanen zu müssen, dass ich 15.000 getane schritte mit zwei tagen ruhepause büßen muss, lässt mir das herz schwer werden.
vielleicht, wenn es nur die erforderliche entschleunigung wäre, täte ich mich leichter.
vielleicht, wenn die neuropathien wieder verschwänden, nähme ich es hin.
vielleicht, wenn ich nicht ständig taumelte wie nach einem glas wein zuviel und auf tauben sohlen, haderte ich nicht.

update vor veröffentlichung:
der beitrag schlummerte unveröffentlicht vier monate im entwürfe-ordner. einen schub später ist aus grün nun grün-orange und aus 50 jetzt 60G geworden. mein befinden? das achterbahnt zwischen verzweiflung, trotz und noch ein paar anderen emotionen.

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ich bin nicht charlie.

12 menschen werden für das, was sie veröffentlichen, regelrecht hingerichtet. von menschen, die sich (oder vielmehr: ihren glauben) durch das veröffentlichte angegriffen fühlen.
und auf einmal sind alle „charlie“. gehen auf die straße. sind betroffen.
versteht mich nicht falsch: der tod dieser 12 menschen macht mich ebenfalls betroffen. aber ich bin nicht charlie.
warum nicht?
ich frage mich so langsam, wofür ich noch alles auf die strasse gehen soll, um meine betroffenheit, mein dafür- oder vielmehr: dagegen-sein, meine wut, meine angst und meine verbundenheit zu demonstrieren.
sicher nicht für etwas abstraktes wie ein magazin, dessen inhalte ich allein schon der sprache wegen nicht verstehe. dessen karikaturen mich bestenfalls nicht ansprechen, mich schlimmstenfalls angewidert wegsehen lassen.
ich habe kein verständnis für islamisten*, denen jeglicher humor abgeht. [* bitte hier jegliche denomination oder denkschule einsetzen, die diesbezüglich gerade „en vogue“ ist.]
ich habe aber umso mehr mitgefühl mit jenen, die in ihrem heimatland kritisch mit ihrer eigenen religion umgehen. ich trauere um die vielen autoren, blogger, journalisten, publizisten, die ihrer veröffentlichten meinung wegen ihr leben lassen – und von denen wir hier gar nichts mitbekommen. und für die hier keiner auf die straße gehen würde. menschen, die nicht einmal annähernd die grenzen des humors und der respektlosigkeit ausloten, die „charlie“ wohl gewohnheitsmäßig nicht nur auslotet sondern überschreitet.
ich mag falsch liegen, aber mit eurer zur schau gestellter empörung erreicht man nichts. außer vielleicht, jenen in die hände zu spielen, die euch zu lemmingen für ihre zwecke machen wollen. weil es schick ist, für dies und jenes und alles andere auch auf die straße zu gehen: seht ihr vor lauter bewegter masse noch den einzelnen? oder verlasst ihr euch auf die „schwarmintelligenz“? wie viele von euch füllen die propagierten worte auch mit taten? wer trägt denn das helle licht in das dunkel eines einzelnen hinein?
sehen euch eure familien zuhause noch? eure kinder, die mit den extremen des „dafür“ und „dagegen“ wohl eher auf der straße aufwachsen und später selber kein mittelmaß mehr finden?
gestern no-pegida, heute charlie, morgen ???
veränderung beginnt in jedem einzelnen von uns, in der kleinsten sozialen einheit. verändern wir uns, verändern wir auch die gesellschaft. durch fronten dagegen wurde noch kein verhärtetes herz aufgeweicht. wir müssen eben nicht alle zusammenstehen, alle auf der straße stehen, egal was uns trennen mag, weil „wir alle charlie sind“. wenn wir nur noch in der masse stark sind, nur noch kollektiv und oft genug unreflektiert „unsere“ meinung äußern, dann halte ich unsere gesellschaft für verloren (was ich übrigens schon seit geraumer zeit tue, aber das ist hier nicht thema).
ich war gestern nicht no-pegida. und ich bin heute nicht charlie. ich bin ich. sandkorn im getriebe.
(p.s.: übrigens: wenn ich jemanden durch ein stilmittel (ob das nun satire ist oder nicht) nicht erreichen kann, sondern die tür nur umso fester zuschlage, den sollte ich vielleicht mittels eines anderen stilmittels zu erreichen versuchen. wenn ich denn wirklich daran interessiert bin, mein gegenüber zu erreichen… für mich auch eine frage des respekts vor dem anderen.)
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der schalter im kopf…

seit geraumer zeit – nicht erst seit ich meinen aktuellen job angenommen habe – vermag mein hirn sich nicht mehr eindeutig zu entscheiden.
zu oft ertappe ich mich, dass ich in der fremdsprache denke, sätze nicht in meiner muttersprache formuliere oder zu sprechen beginne und nochmal von vorne anfangen muss.
während das zum einen ein zeichen ist, dass ich mich in der fremdsprache „wohl“ und zuhause fühle, obschon ich mir meiner defizite sehr wohl bewußt bin… …ist es doch zum anderen ein hinweis darauf, dass mir die trennschärfe abgeht, ich den schalter im kopf sehr bewußt umlegen muss, sobald ich nach hause komme.
überdies beschäftigt mich seit jahren immer wieder die frage, ob ich andernorts (nennen wir es mal: im anglophonen sprachraum) wurzeln schlagen könnte. es geht ja nicht nur um die dann nicht mehr nur vorübergehende umstellung im kopf, sondern auch darum, die heimat zurückzulassen.
vielleicht projiziere ich aber auch nur die „angst“ vor dem dauerhaften eintauchen in eine andere kultur und lebensart bzw. -einstellung (sei es nun die eher europäische in der seelenheimat oder die mir wesentlich fremdere über dem teich) auf die sprachliche umstellung? dass ich mich anpassen kann, weiß ich. dass andere seiten an mir zutage treten, weiß ich ebenfalls. wie aber ist es, wenn es nicht nur um einen urlaub, um 14 tage geht, sondern um ein leben? ich weiß es nicht.
es gibt wohl nur einen weg, die antwort darauf zu finden…
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das messer in der tasche…

…geht mir auf, wenn ich morgens bei der zeitungslektüre (wieder einmal) lese, dass kinderlose entweder länger arbeiten oder weniger rente bekommen sollen.
das mit dem länger arbeiten.. …das mag man denen freistellen, die ihren job mit 65+ noch erledigen können und wollen, körperlich wie geistig. denen, die die nächste generation anleiten: die generation, die für unsere rente aufkommen soll.

beim vorschlag jedoch, kinderlosen weniger rente zuzugestehen, platzt mir die hutschnur. sicher habe ich nicht für die nächste generation gesorgt. habe ich aber nicht durch meine ununterbrochene berufstätigkeit in die rentenkasse eingezahlt und über diese zahlungen mithin auch jenen, die kinder bekommen haben (konnten/wollten), ihre elternzeit mit ermöglicht?

es heißt, kinderlose sollen dadurch nicht „bestraft“ werden. was aber ist mit jenen, die ungewollt kinderlos bleiben? will man die nicht unerheblichen (nicht nur monetären!) kosten für künstliche befruchtung in kauf nehmen? aber, ach ja, die belasten ja nicht die rentenkasse, sondern die krankenkassen. st. florian lässt grüßen…
und was ist mit jenen, die wie ich auch, krankheits- und medikationsbedingt keine kinder bekommen sollen, selbst wenn sie könnten und wollten? muss ich mich nicht gleich doppelt bestraft fühlen?

am besten wäre für jemanden wie mich dann tatsächlich das „sozialverträgliche frühableben“.

aber bis dahin müsst ihr mich ertragen.
und ich euch.

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…teufel oder beelzebub…

ziemlich genau 365 tage nachdem ich angefangen habe, täglich ein immunsuppressivum (aka: teufel) zu nehmen, um die schubrate (aka: beelzebub) um 50% zu reduzieren (wenn ich glück habe, und zu denen gehöre, bei denen das medikament diese wirkung zeigt), ziemlich genau 365 tage später also knickt mein bislang so tapferes immunsystem ein und öffnet einem grippalen infekt die tür.
nicht weiter tragisch so eine erkältung. eigentlich. ein wenig schnupfen. ein wenig schluckbeschwerden. ein wenig husten. etwas erhöhte temperatur (angesichts der sinkenden außentemperaturen gar nicht übel).
uneigentlich aber ganz schön doof. warum? alldieweil ein infekt die wahrscheinlichkeit eines schubes für die nächsten vier wochen verdoppelt.
und ich mich mit meinem mathematik-grundkurs-wissen und fiebergetrübten hirnzellen gerade frage, ob sich die halbierung der schubrate und die verdoppelung der wahrscheinlichkeit eines schubes nicht irgendwie aufheben.
die unbekannte in dieser gleichung ist mein immunsystem.
update 31.10./03.11.
man mag es als visionäre fähigkeit, unkenruf oder gar als selbst-erfüllende prophezeihung deklarieren, dass infolge des infekts tatsächlich ein schub auftrat. es zieht mir immer noch und jedes mal den boden unter den füßen weg. diesmal (erneut) nicht nur im übertragenen sinne. mit dem hund auf den armen die treppe hinab nicht vornüber zu fallen hatte mehr mit glück als mit sonst etwas zu tun. der vierbeiner ist gänzlich heile geblieben; mein schock halbwegs verdaut und die prellungen nurmehr unangenehm.
was für mich mit das schlimmste an der krankheit ist? ganz sicher nicht die möglichen folgen, ausprägungen, beeinträchtigungen oder sonstwas. nein. es ist die unsicherheit. die ungewissheit, wann „es“ das nächste mal soweit ist. *seufz*
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…die another day…

…manchen tag kann man nur durch funktionieren überstehen.
weil es das einzige ist, was halt gibt.
some days you survive by functioning only,
for it’s the only thing left to hold on…
…manchen tag kann man nur durch erinnerung überstehen.
weil sie das einzige ist, was daran glauben und darauf hoffen lässt, dass es wieder anders wird.
some days you solely survive by living on memories,
for it is memories that kindle the hope that things may ever get better again…
…manchen tag kann man nur durch größtmögliche distanz überstehen.
weil sie das einzige ist, was nähe überhaupt jemals wieder ermöglichen kann.
some days you merely surive by keeping yourself at a distance,
for only distance may allow you to ever bridge the gap again…
…manchen tag kann man nur deswegen überstehen,
weil es morgen immer noch früh genug ist, um aufzugeben.
some days you solely survive thanks to the knowledge
that you can still die another day…
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